Der Sigwardsweg


Auf den Spuren Bischof Sigwards – Pilgern im alten Bistum Minden

Mit dem Sigwardsweg wurde am 5. September ein neuer Pilgerweg eröffnet, der zurückgeht auf die Amtszeit des Bischofs Sigward 1120 bis 1140 am Dom zu Minden, eine Blütezeit des damaligen Bistums. Als hoch gebildeter und weitgereister Mann war er einflussreicher Berater des 1125 zum König und 1133 zum Kaiser des Heiligen Römischen Reiches gewählten Lothar von Supplingenburg. In dieser Zeit erbaute er sich eine Eigen- und Grabeskirche in Idensen, einem kleinen Vorwerk im Deister Vorland südlich des Steinhuder Meeres. Da er sich zu diesem Ort und seiner mit wertvollen Fresken ausgemalten Kirche besonders hingezogen fühlte, muss er diese Distanz sehr häufig zurück gelegt haben. Doch welchen Weg er dabei benutzte, weiß man heute nicht mehr so genau. Er dürfte den Weg aber auch dazu genutzt haben, Angelegenheiten des Bistums und seiner kirchlichen Einrichtungen zu regeln.

http://www.sigwardsweg.de/sww/POI/16300-Stift-Obernkirchen.html

Für den Weg von Minden nach Idensen boten sich zwei Trassen an, eine Südroute über Porta Westfalica, Bückeburg, Obernkirchen und Bad Nenndorf und eine Nordroute über Petershagen auf Nienburg zu und Rehburg-Loccum. Beide Trassen verbinden auf jeweils 5 Etappen zusammen 24 Pilgerstationen, herausragende Zeugnisse der Kirchengeschichte dieser Region. Beide Trassen repräsentieren aber auch eine vielfältige Landschaft aus Mittelgebirgen, Tiefebenen, Flussauen, lebendigen Städten und heiligen Orten und verbinden sich an ihren Polen, dem Mindener Dom und der Sigwardskirche in Idensen zu einem Rundweg von etwa 170 km.

Das Pilgern oder „Beten mit den Füssen“ ist in unserer Zeit neu entdeckt worden. Für viele bedeutet es, von der Hektik des Alltags mit seinen Verpflichtungen und Beschwernissen Abstand zu gewinnen, zu reflektieren, was wirklich für das eigene Leben wichtig und von Bedeutung ist. Dabei Gleichgesinnten zu begegnen und sich auch von der Landschaft und seiner Kunst- und Kulturgeschichte berühren zu lassen. Deshalb ist das Motto Bischof Sigwards „Sum quod eram, nec eram quod sum“ – „ich bin, der ich war, war aber nicht, der ich bin“ – auch der Geleitspruch dieses Pilgerwegs.

Der Sigwardsweg will diese Erfahrung möglich machen und bietet dazu alles, was der Pilger, der Wanderer braucht. Zuvorderst eine Kartenbroschüre mit Wegebeschreibung und Kartenmaterial,

Beschreibung der Sehenswürdigkeiten, spezielle Angebote für Pilger, wichtige Kontaktadressen für Unterkünfte, 1. Hilfe u.v.m. Darüber hinaus ist die gesamte Strecke nach beiden Seiten mit dem Symbol des Sigwardswegs gekennzeichnet. Für das erste Kennenlernen steht ein Faltblatt mit Wegeskizze und Grundinformationen zur Verfügung. Für unterwegs ein Pilgerpass, auf dem die gelaufene Strecke nachgewiesen wird und auf den es eine Urkunde und eine Pilgernadel mit dem Logo des Sigwardswegs für den halben oder ganzen Weg zu erhalten gibt. Für die besonders an den Pilgerstätten und ihrer Geschichte interessierten gibt es darüber hinaus einen Bildband von Prof. Dr. Wolfhard Winkelmüller.

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